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Sind Pflegeheime besser als ihr Ruf?

Zur aktuellen Berliner Diskussion

 

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Website!

 

In Berlin tobt derzeit eine Diskussion rund um „Zustände“ in vollstationären Pflegeeinrichtungen. Zahlreiche Medien haben das Thema aufgegriffen. Mit Sicherheit ist eine Berichterstattung der Boulevardpresse für eine sinnvolle Auseinandersetzung nicht dienlich.

 

Anlass hierzu bot u. a. eine Prüfung in einer Weddinger Pflegeeinrichtung. Dieser Einrichtung wird vorgeworfen, Bewohner/-innen vor einer Begutachtung des MDK Medikamente ungerechtfertigt verabreicht zu haben.

 

Wir laden ein zu einer ernsthaften, ehrlichen und fairen Diskussion um die Situation in der Versorgung alter Menschen in Deutschland! Ein vielschichtiges Problem:

Was sind uns unsere "Alten" wert?

Werden Alten- und Krankenpflegekräfte, Ärzte und Sozialarbeiter wirklich gut auf ihre Arbeit vorbereitet?

Wie gehen wir mit dem Leid, mit Sterben und Tod in unserer Gesellschaft um?

Sind Privatfernsehen und die Zeitung mit dem "Vier Buchstaben" wirklich geeignet zur thematischen Auseinandersetzung?

Wie ist die Deutsche Altenpflege personell und finanziell ausgestattet?

Werden die Zusatände bagatellisiert?

Werden die Zustände skandalisiert?

Wo werden alte Menschen würdevoll behandelt - immer in der Häuslichkeit oder doch besser in einer Pflegeeinrichtung?

Werden positive Beispiele in der Versorgung alter und schwerstkranker Menschen überhaupt wahrgenommen, wird über diese berichtet?

 

Wir, das UNIONHILFSWERK, versuchen uns den Dingen zu stellen, haben Ideen, nicht immer gleich die passenden Antworten. Aber ganz praktisch gelebte Visionnen: "Das Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie".

 

 

An dieser Stelle geben wir die Antwort von Prof. Dr. Dr. Rolf D. Hirsch im „Der Tagesspiegel“ am 18.02.2007 auf einen Leserbrief wider, der Vorsitzender der Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter – Handeln statt Misshandeln (HsM) ist:

 

 

 

„…

Sie beklagen die Einseitigkeit von Meldungen in den Medien über die Situation in deutschen Pflegeheimen. Sicherlich sind manche Berichte skandalträchtig aufbereitet und pauschalieren. Nicht vertretbar ist, Pflegekräfte für strukturelle Mängel allein verantwortlich zu machen. Allerdings ist es sehr gewagt und klingt schon märchenhaft, davon zu sprechen, dass viele Heime bereits Hotelcharakter haben. Dies trifft höchstens auf die Kategorie von Pflegeheimen zu, die sich ein Normalbürger nicht leisten kann. Selbst der medizinische Dienst spricht davon, dass von gut bis sehr gut" keine Rede sein kann. Klingeln Sie einmal im Heim. Bekommen Sie da nach einem Anklopfen an der Tür wirklich die Antwort: "Was darf es sein?"

Untersuchungen und Schilderungen belegen, dass z.B. neben Vernachlässigung, unqualifizierter Medikation (Pille statt Beziehung!), verbaler Aggression und Unselbstständigmachen strukturelle Gewalt in einem nicht zu tolerierenden Maße auftritt. Technokratisch-ökonomische Gesichtspunkte, der tägliche bürokratische Wahnsinn und die Dokumentationswut herrschen vor individueller Anteilnahme. Das gesellschaftliche Aufbegehren hält sich in Grenzen. Allerdings ist es notwendig, sich vor Pauschalierungen zu hüten, da es Gott sei Dank auch positive Beispiele gibt. Diese zeigen, dass es auch heute schon anders geht!

Wo gearbeitet wird, werden auch Fehler gemacht. Wo Not, Leid, Elend, Hilflosigkeit und Abhängigkeit so geballt auftreten wie in Heimen, ist grundsätzlich mit Schwierigkeiten, kritischen Situationen, Eskalationen und Problemen zu rechnen. In jedem Heim können diese auftreten. Entscheidend ist, wie mit diesen umgegangen wird und welche psychohygienischen Maßnahmen für Mitarbeiter vorhanden sind (in der Regel: Fehlanzeige!). Und da trennt sich die Spreu vom Weizen. Wenn Heimträger über die mangelhafte Finanzierung ihrer Leistungen klagen, und das tun sie sehr massiv, dann ist die logische Folge, dass derzeit eine ausreichende Pflege nicht möglich ist. Beispiele widerlegen dies allerdings. Nur an den Kosten scheint es wohl nicht zu liegen.

Über Bagatellisieren, Vertuschen und Nicht-ernst-Nehmen klagen nicht nur Bewohner und deren Angehörige, sondern auch Pflegekräfte. Mag auch die Angst vor Repressalien manchmal nicht angezeigt sein, so spricht die Realität Bände. Üblicherweise nützen Kontrollen der Heimaufsicht und des Medizinischen Dienstes, zumindest wie sie derzeit oft durchgeführt werden, nur begrenzt. Das Interesse am Ergebnis ihrer Untersuchungen hält sich bei den Auftraggebern auch in Grenzen. Qualitätssichernde Maßnahmen in den Einrichtungen sind, wenn sie überhaupt durchgeführt werden, ein Lichtblick. Deren Ergebnis ist oft nicht ausreichend, um ein Mindestmaß an Menschenwürde zu gewährleisten. Wenig beachtet wird, dass nur wenige Menschen freiwillig in ein Heim übersiedeln und sich daher wie in einem Gefängnis - allerdings mit weniger Rechten - vorkommen. Wie sich dabei die Pflegekräfte vorkommen, wird selten hinterfragt.

Grundsätzliche Frage ist, ob Pflegeheime überhaupt in unsere heutige Zeit passen. Zu unterstützen sind daher Alternativen wie Haus- und Wohngemeinschaften. Manche Heime haben diese auch in ihren Einrichtungen verwirklicht. Zu fordern ist, dass in jedem Heim die "Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen", die im Internet abrufbar ist, eingehalten wird oder zumindest versucht wird, diese einzuhalten. Satre ist beizupflichten, wenn er schreibt: "Die Gewalt lebt davon, dass sie von anständigen Leuten nicht für möglich gehalten wird."

 

 

 
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